Was hesch?

Die Frage hat jeder von uns schon tausendmal gehört und jedesmal bedeutet sie etwas anderes. Was gibt dieser Frage ihre Bedeutung? Ich schreibe jetzt ein bisschen über Meta-Kommunikation.

Ein Bub ist im Vorgarten gestürzt und kommt weinend und mit blutendem Knie in die Küche gerannt. Fragt die Mutter „Zeig, was hesch?“ Sie will das Knie untersuchen (und merkt, dass da feine Kiesel unter der Haut feststecken und sie das Knie putzen und verbinden muss). Die Bedeutung der Frage ergibt sich aus der Situation im Haus, der Beziehung des Buben zur Mutter, der körperlichen Tatsache einer Verletzung, dem Weinen. Die Mutter könnte auch sagen „Zeig mau, was hesch?“

„Was hesch its ou?“ Fragt der Ätti das weinende Mädchen. Die Bedeutung ergibt sich wieder aus der Beziehung, aus der Art des Weinens, aus der Tatsache, dass keine Verletzung sichbar ist. Der Ätti will das Mädchen trösten.

„Was hesch jitz wider?“ Fragt die Ehefrau als ihr Mann etwas am Grummeln ist. Denken Sie sich verschiedene Bedeutungen aus! Nehmen Sie als Vorlage unterschiedliche Beziehungsgeschichten der beiden. Sind sie zuhause oder auswärts? Die Bedeutungen können varieren nach der Tageszeit, welche Tätigkeiten die beiden grad machen, ob der Tonfall der Ehefrau empört, giftig oder besorgt oder gelangweilt ist.

„Was hesch eigentli?“ Rufen ein paar Jugendliche Ihnen auf der Strasse zu. Sie suchen offensichtlich Streit. Das schliessen Sie aus dem Tonfall, aus der Tatsache, dass es Fremde sind, dass sie in der Gruppe auftreten. Ob das als Drohung oder als Spott gemeint ist, schliessen Sie daraus, ob die Jungendlichen weitergehen und lachen oder ob sie auf Sie zukommen und die Reihen schliessen.

Metakommunikation läuft fast nur unbewusst ab. Sie schliesst sehr unterschiedliche Ereignisse und Strukturen ein: die äusserlichen Umstände, die Stimmung, die Körpersignale, die Beziehungsgeschichte, Konventionen – all das bestimmt den Inhalt einer sprachlichen Nachricht.

Sie ist der wissenschaftlichen Analyse nur mit grossem Aufwand zugänglich. (Verhaltensbeobachtung, Videoaufnahmen. Je nach Fragestellung hunderte von Stunden Chnübliarbeit, um zwei Stunden Video auszuwerten.)

Wir haben im Alltag so gut wie keinen bewussten Einfluss auf diese Kommunikationsebene. Mit der Frage habe ich mich nicht wirklich abgegeben. Ich denke, dass ein aufwendiges Training mindestens einen Teil des unbewussten Geschehens zugänglich macht. Aber es hat immer auch einen Verlust der Unschuld zur Folge: Familientherapie, Verkaufsschulung, Managertraining, Ausbildungen in polizeiliche Verhörtechniken und zum Sporttrainer – das sind alles Beschäftigungen, wo wir einen Teil dieser Metakommunikation steuern lernen.

Und es gibt Stümper, die an der Metakommunikation herummanipulieren. Wir wettern über anmassende Feministinnen, die angeblich wissen, dass es einzig die von den Männern durchgesetzte Erziehungsweise ist, die Mädchen zu Frauen und Buben zu Männern macht…
Wir lächern uns über einfältige Genderforscher, die ihr Denken an einer simplen Orientierungsachse ausrichten und nichts ausser dem Geschlechterkrieg wahrnehmen.
Wir bedauern gehetzte Mobbingopfer. Viele sind ein bisschen ungeschickt, Metakommunikation richtig einzuschätzen und werden wegen dieser Schwäche zum Opfer erwählt.
Und abendfüllend können sich etliche Männer über schlechte Fussballtrainer auslassen. Die Fussballtrainer kommen im nächsten Blog dran.

Metakommunikation wird eingeübt, wenn die Mama mit den Kleinen die Hausgespenster bastelt, statt sie im Schiggi-Miggi-Interieur-Laden für 42 Euro pro Stück zu bestellen. Mamablog ist sich wieder einmal von selber übergetroffen! Die sind nicht dicht!

220 Antworten zu Was hesch?

  1. Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen
    Güter und Gaben, was wir nur haben
    alles sei Gotte zum Opfer gesetzt
    Die besten Güter sind unsre Gemüter
    vor ihn zu treten mit Danken und Beten
    das ist ein Opfer, dran er sich ergötzt.

    Abend und Morgen sind seine Sorgen
    segnen und mehren, Unglück verwehren
    sind seine Werke und Taten allein
    Wenn wir uns legen, so ist er zugegen
    wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen
    über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

    (Fortsetzung folgt)

  2. Orlando Furioso

    Entweder haben unseren Halbeli-Moet-Novellisten die Ereignisse eingeholt, oder er ist schon in die Sommerpause. Die Frage lautet dann: gibt es eine Season II.?

    Die Fans warten sehnsüchtig!

  3. Also mir gefallen die Gebete. Echt. es spricht etwas in mir an auf eine mir neue Weise.

    Irgendwo habe ich Muehe mit der Novela, wenn ich mir vorstelle, wie diese eigentlich lieben Frauen ihren Berufsalltag verbringen (muessen?).

  4. (Fortsetzung 41)

    “Aus den Augen aus dem Sinn…”, funktionierte in Nadja’s Fall nicht so ganz. Drei Tage nachdem ich mich auf dem Flughafen von ihr verabschiedet hatte, griff ich zum Telefon, um zu hören, ob sie gut zu Hause angekommen war. “Haalloo“, meldete sie sich nach vier Rufzeichen und einer Strophe „Russen-Pop“. „Wie geht es Dir, Prinzessin?“ „Wie immer.“ „So gut?“ „Ich Krise gestern. Ich weinen ganze Tag ohne Stopp. Heute ich bei Tatjuscha und Babuschka in Dorf. Hier auch wie immer.“

    Dass sie einen kleinen Nervenzusammenbruch gehabt hatte, überraschte mich nicht. Das hatte sich im Verlauf der letzten Wochen schrittweise angekündigt. Je nach Naturell konnte man Gefühle für eine gewisse Zeit verdrängen, aber irgendwann kommt immer der Moment, wo sie einen einholen. Wenigstens war sie erst daheim von ihnen eingeholt worden. Jetzt hatte sie Zeit sich wieder zu erholen, bis in drei Monaten alles wieder von vorne beginnen würde. „Heute Tatjuscha bleiben ganze Tag bei mir – wie kleine Hund. Jetzt sie schlafen bei mir im Bett.“ „Dann wird sich dein Freund noch ein bisschen gedulden müssen.“ „Woher Du wissen?“ „Ich nicht geboren gestern“, sagte ich auf „Russisch“. „Warum Du mir gegeben Ohrringe?“ „Ich mag Du.“ „Dir.“ „Nein, Dich.“ „Du nicht normal.“ „Wir werden ja sehen, Prinzessin. Darf ich wieder einmal anrufen?“ „Ja, darum ich gegeben Nummer.“ „Gut, dann wünsche ich Dir eine gute Nacht und pass gut auf die Kleine und Dich auf. Ich vermisse Dich ein wenig.“ „Ich sagen nichts.“ „Dawai, ciao, Prinzessin.“ „Dawai, ciao.“

    (Fortsetzung folgt…)

  5. Negeraufstand ist in Kuba,
    Schüsse gellen durch die Nacht.
    Schwarzer Rauch über Havana,
    Und ein Neger hält die Wacht.

    In den Bäumen hängen Leichen,
    Mit ganz aufgeschlitzten Bäuchen,
    Totenschreie auf den Lippen,
    Und ein Messer in den Rippen.

    (Fortsetzung folgt)

  6. was soll das denn. hemingway auf dark room?

  7. Ich hab erhoben zu dir hoch droben
    all meine Sinnen; lass mein Beginnen
    ohn allen Anstoss und glücklich ergehn.
    Laster und Schande, der Finsternis Bande
    Fallen und Tücke treib ferne zurücke
    lass mich auf deinen Geboten bestehn.

    Lass mich mit Freuden ohn alles Neiden
    sehen den Segen, den du wirst legen
    in meines Bruders und Nähesten Haus.
    Geiziges Brennen, unchristliches Rennen
    nach Gut mit Sünde, das tilge geschwinde
    von meinem Herzen und wirf es hinaus.

    (Fortsetzung folgt)

  8. Durch die Strassen fliesst der Eiter,
    Der Verkehr geht nicht mehr weiter.
    In den Gossen sitzen Knaben,
    die sich an dem Eiter laben.

    Auf dem Dach da sitzt der Häuptling
    Und er nagt an einem Säugling.
    Und er lässt sich aus den Knochen
    Eine Fleischbrühsuppe kochen.

    (Fortsetzung folgt)

  9. Das ist grauenhaft.

  10. (Fortsetzung 42)

    „Sie nicht da heute. Ein Klient sie gekauft“, sagte die junge Frau, die sich als Xenia vorgestellt hatte.

    Ich hatte den ganzen Tag in der Bündner Herrschaft verbracht und war auf dem Rückweg nach Zürich. Weil ich genau während des Feierabendverkehrs in Zürich eintreffen würde, entschied ich mich, eine Pause in der Raststätte Glarnerland einzulegen. Das Mittagessen hatte ich mit Reden zugebracht – was hatte ich eigentlich gegessen? Während ich den Kaffee trank, entschloss ich mich für einen kleinen Abstecher ins Glarnerland.

    Auf dem Land schienen Cabarets eher etwas abseits zu liegen. So auch in diesem Fall. Was immer etwa gleich war, war ein etwas heruntergekommenes Aeusseres und ein geschmacklos eingerichtetes, schummeriges Inneres. So auch in diesem Fall. Kaum hatte ich an der Bar Platz genommen gehabt, war eine „Basketball-Spielerin“ auf mich zugesteuert gekommen. Ich fragte nach Jana, worauf Sie unwirsch entgegnete: „Ich nicht genug?“ So von Kopf bis Absatzspitze betrachtet, war sie eher mehr als genug, aber mir stand der Sinn nach einer ganz besonderen Frau. Ich glaube, sie fluchte leise, als sie sich abwandte. „Du suchen Jana?“ Ich drehte mich um und blickte in die dunklen Augen von Xenia, die mit ihrem Pferdeschwanz wie eine ehemalige Lehrerin von mir aussah, sah man einmal vom tief ausgeschnittenen und geschlitzten, kurzen “Unterrock” und den schwarzen, halterlosen Strümpfen ab, die sie äusserst vorteilhaft kleideten. Nach ein paar Worten, ging sie irgendwo nach hinten, um Jana zu suchen. Wen „Lehrerinnen-Phantasien“ auf Touren brachten, hier war er richtig, dachte ich, als ich ihr nachschaute.

    „Was bedeutet gekauft?“, fragte ich sie, nachdem ich ein Cüpli und ein Bier bestellt hatte. „Klient bezahlen Fr. 1’500.– an Chef und Jana müssen nicht arbeiten“, erklärte sie leise. „Wo Du getroffen Jana?“, fragte sie, und ich erklärte ihr in groben Zügen, warum ich Jana wiedersehen wollte. „Das romantische Geschichte. Du wollen sie heiraten?“, erkundigte sie sich. „Ich glaube, sie ist schon vergeben“, lachte ich. Sie zuckte mit den Schultern. Dann erzählte sie, dass dies ihr letzter Monat als Tänzerin sei und dass sie sehr glücklich darüber war. „Ich hasse es.“ Sie hatte auch die „sagenumwobenen“ Dokumente in Kiev beantragt und ihr Freund aus der Innerschweiz würde sie voraussichtlich im Herbst heiraten. „Ich glücklich und froh“, meinte sie und nickte leicht mit dem Kopf. Ich beglückwünschte sie dazu. Sie war mit ihrer Pferdeschwanz-Frisur auf eine lehrerinnenhafte Weise sehr attraktiv und eine warmherzige und freundliche junge Frau, die offenbar Universitätsausbildung besass. Gut, dass sie abspringen konnte, sie passte überhaupt nicht in dieses Metier. Aber würde sie an die Supermarkt-Kasse passen?

    Wir hatten unsere Unterhaltung auf Englisch geführt, das die Bardame und Vertraute des Besitzers nicht besonders gut verstand. Vorsichtig fragte ich sie ein wenig über Jana aus. Sie erzählte mir, dass sie eine nette Kollegin und eine gute Köchin war. Sie kochten fast jeden Tag zusammen. Sie erzählte aber auch, dass sie die Woche davor einen furchtbaren Heulkrampf gehabt hatte und dass sie davon träumte, Kinder zu haben. Ueber ihren Freund wusste sie nichts.

    Nach dem zweiten Cüpli beglich ich die Rechnung. Xenia sagte mir, dass Jana am nächsten Tag sicher wieder arbeiten würde. „Samstag immer alle Frauen arbeiten.“ Ich sagte ihr, dass sie Jana von mir grüssen solle – mehr nicht. Auf der Heimfahrt dachte ich: Gekauft für Fr. 1’500.–! Zum ersten…, zum zweiten…, zum ficken!

    (Fortsetzung folgt…)

  11. Orlando Furioso

    Negeraufstand in Kuba. Wer war in der Pfadi?

    Zwei Anonyme debattieren. Anonymmer gehts nimmer!

  12. Menschliches Wesen, was ist’s gewesen?
    In einer Stunde geht es zu Grunde
    sobald die Lüfte des Todes drein wehn
    Alles in allen muss brechen und fallen
    Himmel und Erden, die müssen das werden
    was sie gewesen vor ihrem Bestehn.

    Alles vergehet, Gott aber stehet
    ohn alles Wanken, seine Gedanken
    sein Wort und Wille hat ewigen Grund.
    Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden
    heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen
    halten uns zeitlich und ewig gesund.

    (Fortsetzung folgt)

  13. …hmmm Althaus und Binswanger bloggen nicht bei Mama.
    Binswanger schreibt allerdings weiter auf dem Tagi.
    Ein mysteriöses Schweigen.

  14. @anonyme

    Bitte legt Euch doch einen nick zu. Ihr könnt diesen am Schluss hinschreiben. Dann können wir Euch besser antworten.

    @Orlando: Pfadi? Das war sicher der gargamel. An all die anderen: Negeraufstand auf Kuba ist ein Lagerfeuerlied, aber he nu.

    Schweigen der Damen Binswanger und Althaus in mamablog? Denen hat der Zensurist das Maul mit Sparablanc zugeklebt. Jetzt hat man noch schnell auf die Konserven zurückgegriffen und die beiden Herren aus den Redaktionen hervorgezaubert. Zudem muss sich Frau Althaus ja jetzt auf ihre neue Aufgabe bei “Wir Eltern” vorbereiten.

  15. Orlando Furioso

    Vielleicht sind die einfach in den Ferien?
    Seit Januar lese ich im Mamalog wöchentlich mindestens drei Beiträge von Althaus, ich nehme an, das zählt dann als 60%-Pensum (Themensuche, Recherche, Verfassen, Planung der Themen, damit sich nicht allzu auffällige Wiederholungen finden, Lektüre englischer Blogs und internationaler Magazine), täuschen sie sich nicht, Mamablog ist nicht in ein zwei Stunden gemacht.

    Gagamel ist doch am Fussballschauen? Der kläfft erst ab 12. Juli wieder.

  16. Orlando Furioso

    Wahrscheinlich ist Auguste einer der “Anonyms”…er ist ein bisschen isoliert auf Mamablog, ausser Pippi findet offenbar keiner seine Verarschungen und Klugscheissereien wirklich anregend. Jetzt gibt er sich Mühe und kommentiert auch mal ernsthaft. Ohne viel Resonanz. Der Mann kommt nur in Fahrt, wenn er Blogpolizist und Linienrichter spielen darf.

    Übrigens finde ich, in Stil, Humor und Duktus unseres Hausnovellisten im Rotlichtmilieu dem Augustes auffallend ähneln.
    Ist das noch niemandem aufgefallen?

  17. nicht direkt, da ich diese zeilen nicht lese – hingegen kann seine allgemeine anbiederung zu den frauen hin ein indiz sein

    irgendwie sind die rotlicht geschichten so was banales – jeder weiss um was (und wie) es geht – nur die detailerlebnisse am rande sind verschieden

  18. @Orlando
    Ich habe nichts gegen auguste. Er sagt seine Meinung. Ich wehre mich, wenn er mich belehren möchte. Tant pis!

  19. Orlando Furioso

    @ Max Auguste hat sich auf vielerlei Arten von gutem Stil verabschiedet. Ich habe eigentlich auch nichts gegen ihn.
    Aber fällt ihnen die Ähnlichkeit nicht auch auf?

    Darf ich Sie bei deiser Gelegenheit daran erinnern, dass sie uns von ihrem ersten und einzigen Puffbesuch erzählen wollten?

    29. April 2010 21:01

  20. (Fortsetzung 43)

    „Du das!“, sagte Jana. „Wer sonst?“, lachte ich. Jana strahlte über das ganze Gesicht und wir umarmten und drückten uns wie alte Freunde, die sich seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen hatten. Gefühlt stimmte das ja irgendwie auch. „Du gestern…?“ „Ich habe Dir ja gesagt, dass ich Dich wiedersehen will.“ „Ich nicht geglaubt, Du meinen so.“

    Es war noch früher Samstagabend, aber ich hatte mich im Laufe des Nachmittags entschieden – jetzt oder nie! Ich hatte mir seit Januar in den Kopf gesetzt, die kleine Ukrainerin wiederzusehen. Heute würde es soweit sein. Erwartungsfroh war ich um 18.00 Uhr losgefahren, direkt in eine Gewitterfront, die drohte, mich und das Auto von der Autobahn direkt in den Obersee zu spülen. Dass ich da heil durchkam, wertete ich als gutes Omen für das Kommende. Zwanzig Minuten später hatte ich auf dem selben Platz wie tags zuvor geparkt und trat aus dem schweflig gelben Gewitterlicht ins Halbdunkel der Halbwelt.

    „Trinken wir etwas zusammen?“, fragte ich. „Wenn Du bestellen ganze Flasche, wir können gehen auf Zimmer – mehr ruhig dort“, schlug sie vor. Angesichts des leeren Ladens, war das ein schlagendes Argument. Mit Kübel, zwei Gläsern und einer grossen Moët im Arm führte sie mich aus dem Vorhof ins Zentrum einer Filiale der Voralpen-Hölle. Im Zimmer sagte sie lakonisch: „Wie in Ukraina früher.“ Das traf den Nagel vermutlich auf den Kopf. Was für ein Schlag. Hier gönnte man den Frauen nicht einmal das Existenzminimum. Es war schäbig, aber wenigstens sauber. „Du Hunger? Ich Hunger – warten.“ Knapp zehn Minuten später kam sie mit einer Platte mit Schinken, Speck, Salami, Emmentaler, Essiggurken, Silberzwiebeln, Cherry-Tomaten und Brot zurück. „Picknick!“ Sie stellte die Platte neben das Bett, setzte sich und zog die Stiefel aus. An den Füssen trug sie Ringelsocken in verschiedenen Grüntönen. Mit aller Gewalt versuchte ich, nicht zu lachen. Dann schlüpfte sie aus ihren Satin-Hot-Pants und den Ringelsocken, rückte ein Kissen zurecht und sass nur mit String und Bustier bekleidet auf dem Bett. Ich öffnete den Champagner, füllte die Gläser und setzte mich zu ihr. Zweifellos der erotischste Apéro, den ich seit langem zu mir genommen hatte. Wie stiessen und strahlten uns an und dann lagen wir uns auch schon in den Armen und küssten uns so wild, als ob es demnächst verboten werden würde. „Kein Sex – leider“, sagte sie, als wir wieder Luft holten. „Periode.“ „Wie schade“, erwiderte ich und küsste ihre Brüste, die es im engen Bustier nicht mehr ausgehalten hatten. Dann war ihr schlanker Hals dran, ihr Ohr („erogene Zone“ nannte sie es gewöhnlich und brachte mich damit immer zum lachen) und wieder ihr hübscher Mund. „Dawai, essen!“ befahl sie, als sie drauf und dran war, alle guten Vorsätze über Bord zu werfen. Dort hin, wo meine bereits schwammen.

    „Erzähl, wie ist es Dir ergangen seit Weihnachten“, forderte ich sie auf. Sie erzählte, wie sie an Weihnachten zufällig und ziemlich “besoffen” diesen Mann, einen Oesterreicher, durch eine Kollegin kennengelernt hatte, wie er sie nach Hause gebracht hatte und daraufhin im Januar zu ihr in die Ukraine gereist war und sogar von Heirat gesprochen hatte. Das klang alles etwas atemlos für mich und ich fragte sie gerade heraus: „Liebst Du ihn?“ Die Antwort kam viel zu zögerlich, aber ging zwischen einer Scheibe Salami und einer Silberzwiebel gerade noch als „Ja“ durch. Und überhaupt, welche Rolle spielte das schon? Es war möglicherweise „die Chance“. „Na Zdarovie!“

    „Und Du?“, fragte sie nun.

    (Fortsetzung folgt…)

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