Hure – die Ehre eines Wortes.

Kinder lieben das Wort und es ist geblieben, über sehr viele Jahrzehnte. Auch heute noch in Zeiten, wo man angeblich Schiller in der Schule rapt und nicht rezitiert, sagen die Erst- und Zweitklässler “huere schön”, “huere guet”, “huere gross”.
“Cool” geht schon nicht mehr. Aber “huere kuul” sagt man noch. “Easy” ist Mode, aber es wird entweder vergehen oder als “huere iisy” weiterleben.

Im Kindergebrauch ist dieses Wort ohne Arg, hat nicht einmal das geringste mit den schmutzigen Erwachsenenproblemen um Frauenhandel und Prostitution zu tun.

Das Wort “huere”, wie es Kinder gebrauchen, hat eine etwas besondere Stellung. Es ist Kindersprache, Kindertradition, hat einen vollständig eigene Semantik und Linguistik unter Kindern.

Sonja Rüttner-Cova in ihrem Buch über die Frau Holle beschreibt die Herkunft des Wortes Hure: Hure war eine Eigenschaft der grossen Mutter, der Göttin der nordischen Völker. Sie schenkte Leben, brachte es zum Wachsen, Fruchten und Absterben, im Verlauf der Jahreszeiten, im Zyklus unseres Lebens. “Huere” sind die Eigenschaften der grossen Mutter, “freigiebig”, “grenzenlos grosszügig”, “alles Leben schenkend”…

So verstehen wir den Wortgebrauch der Kinder. So und nicht anders ist das Wort in der Kindersprache gemeint. Der Glaube an die grosse Mutter scheint untergründig bei unseren Kinder weiterzuleben.

Die Christianisierung hierzulande ist ungefähr 1600 Jahre her. Die Ausrottung der letzten Reste des alten Glaubens könnte auf die Zeit vor ca. 300 Jahren verlegt werden.

In der Tradition unserer Kinder ist der Glaube an die Grosse Mutter der Alten bis heute geblieben.

Michèle Binswanger, die Blogeuse von mamablog wirft die Frage auf in der Zyschtigsclub Familiensendung. Sie verbietet offenbar ihren Kindern den Gebrauch des Wortes Huere am Mittagstisch. Dann wird sie vom Buben erwischt, wie sie zu ihrer Schwester am Telefon “huere Schiissi” sagt.

Wenn wir von unseren Sprachbeobachtungen ausgehen, so verbietet Frau Binswanger ihren Kindern nicht den Gebrauch eines wüsten Wortes bei Tisch, sondern sie verbietet ihnen den Gebrauch von Kindersprache in Anwesenheit von Erwachsenen. Die Frage, ob die Erwachsenen- und die Kinderwelt getrennt sein sollen, darüber werde ich in einem weiteren Blog noch einmal laut nachdenken.

23 Antworten zu Hure – die Ehre eines Wortes.

  1. Das im Schweizerischen gebrauchte “huärä” kommt übrigens nicht von “Hure” sondern von “ungeheuer” bzw. ” gross” etc. und geht auf das Mittelalter zurück.

  2. Im Französischen gebrauchen wir “putain” in ganz ähnlichem Sinne wie im Deutschen das “huärä”, dort ist der Bezug aber eindeutig…

  3. ja,das stimmt, huere guet chunnt vo uhuere guet und heisst uf hochdeutsch übersetzt nöd meh als:
    ungeheuerlich gut
    gruess us dr unverdorbene Schwiiz

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