Archiv der Kategorie: Familienschätze.

Neugierde.

Was macht einen guten Journalisten aus?

Maxens allerste Frage zu politischen Themen ist legendär. Meine Eltern haben die Gewohnheit aus Kriegszeiten nie mehr abgelegt und hören grundsätzlich zum Essen Nachrichten und kommentieren diese auch.

So war ich also als dreijähriger Knirps aufmerksam mit den Nachrichten über den Sechstagekrieg beschäftigt und fragte:

“Was sind Raketen?”

Das war eine Kinderfrage und als Kind habe ich sie meinen Eltern gestellt.

Welcher von all den schweizerischen Journalisten kann die Funktionsweise einer Rakete erklären und den Unterschied zu einer cruise missile? Und abgesehen davon, welcher kennt das deutsche Wort für “cruise missile”?

Als Kind bin ich mit täglichen Tischgesprächen über afrikanische Politik und Ökologie aufgewachsen. Überall in unserem Haus hingen Bilder von Löwen, Antilopen, Gnus. Von der Stube die Treppe hinauf in mein Zimmer begleitete mich der Besuch der Königin von Saaba bei Salomon als traditioneller äthiopisch koptischer comic strip. Wenn ich zur Schule ging, dann führte der Weg die andere Treppe hinunter an einem Leopardenfell vorbei. Die Schuhe zog ich an sitzend unter einem Schild und zwei Speeren von Massai – der eine für den Krieg, der andere für die Elefantenjagd.

Als meine Eltern vor 50 Jahren in Ostafrika lebten, arbeiteten und reisten, da hatten die Engländer die Malaria längst ausgerottet.
Dann fanden unsere 68er und die “engagierten Journalisten” vom Fernsehen und Radio DRS, sie müssten Afrika befreien helfen von den bösen Kolonialisten.

Der Vergleich zwischen Wahrheit und Lügenwahn war bei uns zuhause immer ein erfolgreicher Anfang für lange und lehrreiche Gespräche, Geschichten, Nachrichten, Erfahrungen.

Und wo sind wir gelandet? Eine neue Generation von Journalisten durfte vor einem Jahr Millionen sammeln, damit die Glückskette in Ostafrika die Malaria ausrotten kann. Dass solches Geld flächendeckend und vollständig von der Elite dieser Länder gestohlen wird, ist ein anderes Thema. Das Schweizervolk will betrogen werden.

Von meinen Eltern habe ich gelernt: Wenn Du Dich in der Sache nicht sicher auskennst, dann hast Du vier Möglichkeiten, die Qualität des Berichterstatters zu überprüfen:

1) Kann er es in ordentlichem Deutsch sagen? Leute, die mit fremdsprachigen Wörtern um sich werfen, haben meistens nicht über die Sache nachgedacht.

Heutzutage bietet sich Chüeplütter-Englisch an, wenn man als Journalist oder Politiker hochstapeln will. Wer etwas “kommunziert” anstatt sich mitzuteilen, hat bei max schon verloren.

2) Stimmen die Zahlen? Journalisten können für gewöhnlich nicht rechnen und machen bei den einfachsten Rechenoperationen in Zeitungsberichten die übelsten Fehler.

Stimmende Zahlen sind ein Hinweis, dass der Journalist sachkundig ist. An der Sachkunde fehlt es bei den allermeisten Journalisten. Ein paar Semester Germanistik, Politologie oder Historikstudium genügen nicht mehr, um sich in der Welt auszukennen. Noch schlimmer sind da nur noch die “Medienwissenschafter”.

Bitter fehlen die Naturwissenschafter an allen Ecken und Enden im gesamten Bereich der Tagesmeldungen. Die allgegenwärtigen technologischen Vorgänge müssen ordentlich beschrieben werden. Es genügt nicht, wenn Gene böse sind und Atome gefährlich.

3) Enthält die Nachricht wirklich Neuigkeiten oder ist sie ein Abklatsch von dem, was wir schon hundert mal gehört haben?

Das ist die aktuelle Saumode der Bubi und der Germanistinnen auf der Tagi-Redaktion: Sie kopieren sich selber, kopieren das Archiv, kopieren verstaubte linke Vorurteile, kopieren Pressemitteilungen von Regierung und Interessenverbänden.

Nur recherchieren tun sie nicht und vom Nachdenken bekommen die allermeisten Kopfweh.

4) Ist die Nachricht in sich stimmig? Widersprüche, Sprünge in den Überlegungen, all das zeigt auf unvollständige Kenntnisse.

Solche Plausibilitätsprüfungen erfordern Erfahrung und Disziplin. Man kommt mit der Zeit darauf, was man glauben kann und was nicht.

Nutzlos hingegen ist die Frage, ob die Information selber plausibel sei. Es gibt nichts, was es nicht gibt auf dieser Welt. Es gibt leider zuviele Journalisten, die gar nicht merken, wenn es etwas neues zu sehen und zu berichten gäbe.

Den heutigen Journalisten fehlt die Neugierde. Der Beruf ist zum Schattengespenst der Demokratie geworden.

Das Volk will betrogen werden. Und solange das so bleibt, können unsere linken Laferi bei den mainstream Medien machen, was immer sie wollen, wie schlampig sie wollen, wie unfähig sie auch sein mögen, wie unbedarft, unwissend, eingebildet und letztlich unnütz sie auch sind.

Und wie man sich mamablogmässig über die traurige Wahrheit wegbescheisst, das lesen wir bei Orlando’s Bar: Gestammel und Unehrlichkeit zum Jahresende.

Zensur wie in mamablog ist in unseren SP-treuen Tagi-Zeitungen und im Staatsfernsehen gewöhnlich und normal. Zensurierte Diskussionen sind schlimmer als jede Lüge: Damit täuscht die Redaktion das Publikum über die Zusammensetzung und die Meinung des Publikums. Man gibt dem Publikum die Illusion einer freien Diskussion und manipuliert auf dem Weg die öffentliche Meinung.

Manipulierte Meinungen schränken auch die Erkenntnis ein. Das ist für diese weltoffene, weltweit vernetzte, vom weltweiten Handel abhängige Schweiz sehr viel gefährlicher als den meisten klar ist.

In dem Sinn wünsche ich mir für das neue Jahr fähige, neugierige, wahrheitstreue, denkende, sachkundige Journalisten für die schweizerischen Zeitungen. Insbesondere nötig wäre eine brauchbare Konkurrenz zum linkslastigen, selbstbezogenen, elitär-verlogenen Journalismus des Tagesanzeiger Konzerns.

Standardsprache.

IKEA sei ein Möbelgeschäft? Haben Sie ein Gerücht in der Art auch schon gehört?

Wenn man im unteren Emmental in die IKEA kommt, gibt es eine riesige Austellung mit Möbel-Attrappen vorgeführt. “Möbel” bekomme ich dort nicht zu sehen.

Die andere Hälfte des Ladengeschäftes ist gefüllt mit billig-billigen Haushaltwaren, Geschirr und Teppichen.

Am Ausgang von IKEA sehe ich kaum je jemanden mit Möbeln aufkreuzen. Dafür sind da immer wieder Hausfrauen mit riesigen Einkaufswagen und Bergen von Frauenkitsch, Kerzen, Laternen, Lampen, Schächtelchen, Bilderrahmen, Teppichlein…

Ab und zu sind diese Frauen auch in Begleitung von ihren Ehemännern – Lebenspartnern da. Diese Situation beobachte ich besonders bei Frauen so um die 35 bis 40-jährig. Der Situation nach zu urteilen sind sie schon seit einiger Zeit im gemeinsamen Haushalt.

Das mehrfach belauschte Standardgespräch zwischen solchen Paaren funktioniert so:

Sie mit stierem Blick und glänzenden Äuglein, ständig wendendem Hals und schwankendem Körper, geistesabwesend in der Irre suchend: “Stoss Du mir ds Wägeli, das isch mer z’schwär!”

Das Wägeli ist irgendwo, ausserhalb des Blickfeldes der Frau und für sie verdeckt von nebligem Schleier.

Er, aufmerksam, mit kraftvollem Schritt, zielgerichtet, bodenständig: “Jitz choufe mer au die Huufe Sache, wo mer daheime gseit hei, dass mer se nid bruuche u de söu ig ou no ds Wägeli stosse!”

Tapfer packt er zu. Das “Wägeli” ist ein riesiger Einkaufswagen, bis zum Rand gefüllt mit dem ganzen Ramschgeschirr, Lampen, Pfannen.

Modernerweise kann man auch grad “Aufbewahrungslösungen” kaufen. Das heisst nichts anderes als: aufgemotzte Schuhkartons aus Plastic, Bast oder verziertem Karton, Trückli, Kistli, Böxli, Frauenträume, um den Ramsch im Wandschrank kitschig schön verstauen zu können.

IKEA macht seine Kohlen mit den vielen kleinen billigen Sachen. Die Möbel sind eher für das gute Renommée als für den Gebrauch, Showroom für das Image der Firma. Die geben sich Mühe und belben behende das Gerücht, IKEA sei für Möbel da!

Die Männer kommen brav mit, meinen, ihr Verstand sei gefragt, sie müssten ausmessen, in Gedanken zusammenfügen, Räume gestalten, Möbelkombinationen planen. In Wirklichkeit sollen sie nur das Wägeli von ihren Frauen stossen und beim Bezahlen helfen!

Das Arrangement hat wenigstens ein einziges gutes: Wenn diese Frauen volltrunken vom Kaufrausch auch noch ins Auto sitzen, dann haben sie wenigstens einen nüchternen Mann bei sich, der das Steuer übernimmt!

Das Elend dieser Welt auf Kinderschultern laden?

Rita Angelone macht in ihrem Blog Reklame für den Kindertag von Terre des hommes. Dieser soll anlässlich eines obskuren “Weltkinderrechtstages” organisiert werden. Anscheinend findet Rita es besonders toll, dass schweizerische Schulkinder für vier Stunden sich wie Strassenkinder irgendeines verlumpten Drittewelt-Landes verkleiden und für ein Hilfswerk missionieren und betteln gehen.

So gerne ich mich in Ritas Blog tummle, dieses mal musste ich ihr auf das heftigste widersprechen mit meinem Kommentar. Unsere Kinder werden missbraucht von karrieregeilen, geldgierigen linken Profientwicklungshelfern. Sie versetzen die Kinder in Angst und Kummer, machen sie damit verletzlich und empfänglich für sozialistische politische Indoktrination. Unsere Kinder können nichts dafür, was draussen in dieser kaputten Welt passiert. Sie können nichts daran ändern und es fehlt ihnen am geistigen Rüstzeug, um solche Schrecknisse sinnvoll bewältigen und einordnen zu können. Als einziger Ausweg bleibt den drangsalierten Kinderseelen, die verharmlosenden, besänftigenden Versprechen zur Weltverbesserung der linken Hilfswerke zu akzeptieren.

Den Eltern und Lehrern wird eine heile Welt vorgegaukelt, die wir angeblich mit nur ein bisschen Anstrengung, ein bisschen Geld, ein bisschen gutem Willen erschaffen können. Solche Vorstellungen sind infantile Allmachtsphantasien der Linken, nichts weiter. Sie mögen ein verschrecktes Publikum trösten. Im besten Fall funktioniert diese Geldmache nach dem Prinzip “nützt’s nüüt so schadt’s nüüt”.

Mein Kommentar bei den Angelones war genug wichtig, als dass der Propagandachef, excusez, Mediensprecher von Terre des Hommes, Rudolf Gafner eine Antwort schrieb. Meine Entgegnung passte der Rita dann doch nicht ins Konzept ihres Blogs und wurde zensiert.

Leider schadet solche “Hilfe” oft sehr viel mehr als den meisten bewusst ist.

Zur Lektüre empfohlen sei der Klassiker von Alex de Waal, “Famine Crimes: Politics and the Disaster Relief Industry in Africa”, holländischer Entwicklungshilfeforscher, seinerzeit ansässig in Äthiopien.

Gerade Äthiopien ist ein gutes Beispiel, dafür was ich meine. Fünf der sechs Milliarden menschlichen Bewohner dieses Planeten leben in einem kulturellen Umfeld, wo ein Menschenleben nichts wert ist, aber wirklich nichts. An solchen Orten von “Menschenrechten” oder wie Terre des Hommes gar von “Kinderrechten” zu schwafeln ist verschwendete Mühe. Zu Äthiopien habe ich eine besondere Beziehung, habe die Nachrichten von dort seit Jahrzehnten verfolgt, jede Gelegenheit genutzt, Reisende, Ansässige, Bürger aus Äthiopien zu befragen. Meine Eltern haben in Addis Abeba geheiratet, in Äthiopien fünf Jahre gearbeitet und anschliessend das gesamte östliche und südliche Afrika mit einem Pöschöli durchreist.

Zwischen Äthiopien und dem Roten Meer eingeklemmt ist Eritrea. Eritrea war genug lange italienische Kolonie als dass die Bevölkerung eine europäische Arbeitssamkeit, einen abendländischen Respekt vor dem Individuum sich angeeignet hätten. Einen solchen Nachbarn erträgt Äthiopien nicht und veranstaltet seit 60 Jahren regelmässig auf totale Zerstörung gerichtete Invasionskriege. Einen eigentlichen holocaust versuchten DDR-deutsche Kolonialtruppen in den 70er Jahren.

Äthiopier in dem Sinn von Angehörigen einer Nation gibt es nicht. Sondern es gibt ein paar hundert Stämme und Sprachen. Das Land wird für gewöhnlich regiert von Amharen, die ursprünglich von Arabern abstammen und mit langer, schmaler Nase und schmalen Lippen sich deutlich von Bantu und Niloten unterscheiden. Weiter südlich ansässige Negerstämme sind aus Sicht von Amharen Untermenschen und als Sklaven geeignet. Östliche nomadisierende somalische Völker sind aufmüpfige Banden, gegen die regelmässige Hungerkriege geführt werden und die nördlich, an der Grenze zu Eritrea wohnenden Tigriner sind entweder lästige politische Konkurrenten oder übernehmen von Zeit zu Zeit die Geschicke des Landes. Im Süden Äthiopiens gibt es heute noch Stämme im Busch, die noch nie etwas von einem “Staat” gehört haben. Einem vor fünf Jahren erschienen Weltwoche-Artikel zufolge ist es im Süden Äthiopiens noch immer Brauch, dass ein Bräutigam dem Brautvater den abgeschnittenen Penis eines Feindes bringen muss, um die Tochter heiraten zu dürfen. Penisse von ab und zu aufkreuzenden Staatsbeamten oder von sorglosen europäischen Touristen verursachen keine Fehden mit Nachbarn. Noch immer gibt es keine Landverbindung von Addis Abeba nach Kenia.

Für die ganze Zeit auf die meine Nachrichten zurückreichen hat sich etwas entscheidendes in Äthiopien nicht geändert. Ein Menschenleben ist in Äthiopien weniger Wert als ein Chüeplütter. Getrocknete Kuhfladen kann man von der Weide einsammeln, man kann sie benutzen zum Feuern in der Küche, zur Befestigung von Lehmwänden der Häuser, zur Düngung des Gemüsegartens. Mein Vater berichtete mir, dass regelmässig im kalten Winter des äthiopischen Hochlandes viele Erwachsene dahinstarben. Todesursachen waren regelmässige Lungenentzündungen und andere Erkältungen, verschärft durch Vitaminmangel. Für diese Menschen selber hatte es keine Bedeutung, ob sie im nächsten Frühling noch leben würden oder nicht. Wenn er einen Angestellten fragte, was er vorkehre für den nächsten Winter, so war die einfache Antwort, vielleicht gibt es mich nächsten Frühling noch und vielleicht auch nicht. Aber Vorkehrungen sind überflüssig. Nicht nur das Leben des nächsten ist für diese Menschen bedeutungslos, sondern ebensogut das eigene.

Im Äthiopien der 90er Jahre gab es unter den jungen Männern ein Sprichwort, eine Volksweisheit, die lautete: “Lieber drei Tage Fleisch essen als ein Leben lang Hirsebrei fressen”. Es bedeutete, dass junge Männer in einer 3-tägigen “Rekrutenschule” Fleisch essen durften, um dann an der Front verheizt zu werden. Mit blossen Händen rannten sie zu hunderten auf eingegrabene eritreeische Maschinengewehrstellungen zu, ohne die geringste Chance durchzukommen.

Während sich Eritrea im Jahr 1998 erfolgreich gegen eine äthiopische Invasion verteidigte, kam es im Jahr 2000 ernsthaft in Bedrängnis. In der englischsprachigen Wikipedia gibt es eine recht gute Zusammenfassung zum Verlauf dieses äthiopisch-eritreischen Krieges.

Die Aufrüstung zwischen 1998 und 2000 konnte sich Äthiopien mit Hilfe der europäischen, schweizerischen und US-amerikanischen Entwicklungshilfegelder leisten. Pro Jahr wurden 600 Millionen Dollars für die Aufrüstung verbraucht. Summen in der gleichen Höhe wurden von der äthiopischen Elite gestohlen und im Ausland versteckt. Was immer die gutmeinenden Schweizer für die armen, ausgehungerten Afrikaner spenden, verschwindet in Kriegen und in den fetten Bäuchen einer übersatten Elite.

Der äthiopische Staatschef Meles Zenawi äusserte im Jahr 2001 ohne Zögern, es spiele keine Rolle, dass man Eritrea noch nicht besiegt habe. Man könne noch weitere 55 Millionen Äthiopier schicken. Er war darauf angesprochen worden, dass so ein bitter armes Land die gesamten ausländischen Hilfsmittel für den Krieg verbraucht und sinnlos Menschen in den Tod schickt.

Äthiopien ist das Land, wo Eltern ihren Kindern einen Arm brechen, diesen verkrüppelt zusammenwachsen lassen und sie dann auf die Strasse schicken, um dort die Ferenschi (deutsch: fremden Fötzel) anzubetteln. Die Schweiz ist das Land, wo Eltern ihre Kinder von Terre des Hommes in Lumpen hüllen, und auf die Strasse stellen lassen, um gutmeinende Bürger (Lenin: nützliche Idioten) anzubetteln.

Was also erzählen wir unseren Schulkindern über “Kinderrechte” an einem Weltkinderrechtstag? Sagen wir ihnen die Wahrheit darüber, was es heisst, wenn in Indien, in China, im grössten Teil Afrikas, in so gut wie allen islamischen Ländern, in Teilen Osteuropas ein Menschenleben keinen, aber wirklich gar keinen Wert hat? Dürfen unsere Kinder wissen, wie fortwährend grausam und mörderisch diese Welt in Wahrheit ist?

Terre des hommes betrügt die Kinder mit naiver Gutgläubigkeit im besten Fall. Im schlimmsten Fall benutzt sie sich in niederträchtiger Weise.

Dass das Leben eines Menschen an sich einen Wert habe, das ist ein rein abendländisches Konzept, entstanden aus unserem Verständnis des römischen Christentums und verschmolzen mit dem unbändigen Freiheitsdrang der nordisch-germanischen Barbaren. Für den Rest dieser Welt ist diese Vorstellung bedeutungslos. Menschenrechte und Kinderrechte haben für uns hier eine Bedeutung. In Weltgegenden, wo menschliches Leben für sich genommen keinen eigenen Wert hat, sind sie bedeutungslos. Zu meinen, wir könnten die Welt auf den Kopf stellen ist schlichtweg vermessen.

Dieser Graben hat weitestreichende aussenpolitische, geostrategische wie auch ökologische Auswirkungen bis in die Fundamente von allem, was wir aus dem Abendland als Probleme identifizieren und lösen möchten.

Kleine Hände und grosse Ideen.

Heute im Wir Eltern Blog findet sich eine wirklich spannende Geschichte von Eva Assignon über den Kindergarten, der sein Spielsachen in den Keller verbannte. Ein paar Kinder hatten eine Puppe zerstört und die Kindergärtnerin wollte ihnen zur Strafe und damit sie nachdenken zwei Tage lang die Spielsachen entziehen. Lesen Sie selber, im Wir Eltern Blog was dabei herauskam.

Als Kommentar habe ich im Wir Eltern Blog folgende Geschichte aufgeschrieben:

Kürzlich beim Aufräumen:Eine hölzerne Kuh kommt mir in die Hände.

Sie hat Ohren und Hörner aus Leder. Der Riemen um den Nacken ist auf der einen Seite aus Leder auf der anderen schwarz aufgemalt. Eine Öse für die Glocke ist eingenagelt aber die Glocke fehlt. Augen, Nüstern, und Maul sind schwarz eingebrannt, die Hufe schwarz aus Lack, das linke Hinterbein ist in der Hälfte abgebrochen, auf der Bruchfläche finden sich ein paar Reste Cementit.

Wie es sich für eine richtige Milchkuh gehört, sind die Euter sorgsam eingeschnitzt und abgehoben.

Ich weiss genau, woher das Ding stammt. Es verstaubte auf dem Büchergestell meiner Grossmutter und die ist vor 15 Jahren gestorben. Ich finde, es sei Zeit mit dem alten Mist abzufahren, stecke die Holzkuh in den Abfallsack. Und nehme sie nach 10 Tagen wieder heraus. Warum?

Von der rohen Art her ist das Tier mit dem Sackmesser geschnitzt worden. Ich selber habe als Kind gelernt, wie ich mein Spielzeug selber zuschneide aus Ästen, Holzscheitern, etc. Dies hier ist nicht eine Kinderarbeit. Aber ich weiss, welche Onkel und Grossonkel und Urgrossonkel solche Sachen für die Kinder geschnitzt haben und ich weiss welche Tante ich fragen muss, um zu erfahren, welche Väter, Cousins von den Vätern, Neveus, Tanten, Cousinen und Nichten damit gespielt haben.

Das Tier bleibt neben meinem Computer als Andenken an die Zeit, wo noch nicht eine Million chinesische Arbeitsklaven herhalten mussten, um eine dekadente, über ständigen Geldmangel jammernde Schweiz am Laufen zu halten. Damals konnten Kinder mit einer Kuh in der Hand einen ganzen Bauernhof spielen. Hundert Kinder haben schon mit dieser Kuh gespielt, weitergegeben durch zwei oder drei Generationen, geteilt mit all den Kindern, die zu Besuch kamen, verweilten und wieder weitergingen.

Lesen Sie hier, was max bisher ausder Schatztruhe seiner Familiengeschichte hervorkramte! Familienschätze.

Familienangelegenheiten – darf man seine Eltern erziehen?

Gestern kamen meine Eltern von einer Campingreisen aus Südfrankreich zurück. Heute besuche ich sie und da erzählt mein Vater bei Tisch eine seiner Sensationsgeschichten aus dem wahren Leben.

So berichtet also mein Vater: Am Dienstag habe er oben am Hoger über dem Zeltplatz bei einem Baum “Feldchampignons” gefunden. Die seien zwar diesmal schon ein wenig anders gewesen als sonst, so mit so braunen Schuppen oben am Hut und so einer Art Fransen gegen den Hutrand. Jedenfalls sei er zum Zeltplatzbesitzer gegangen und habe den auch gefragt und der kenne schliesslich die Pilze. Der habe ihm gesagt, er solle einfach den Fuss von dem Pilz wegschneiden, weil der nämlich schwer verdaulich sei. Ich runzle schon einmal die Stirne.

Ja, die Nacht über habe er schon nicht so viel geschlafen und das sei ihm übel auf dem Magen gelegen und er habe sich im Bett gewälzt. Dann habe er am Morgen einen Kaffee getrunken und daraufhin habe er loskotzen müssen und dann sei alles sofort vorbeigewesen.

Ich bin definitiv nicht amüsiert und starre finster vor mich hin: “Ich bin sicher, ich kann jetzt sagen, was ich will, nächstes mal wirst wieder von Deinen sogenannten ‘Feldchampignons’ essen und wieder kotzen und dann gross davon berichten.”

“Ich habe Dir gesagt, dass der junge Knollenblätterpilz sehr ähnlich aussieht und dass die Leute, die Knollenblätter essen diesen mit dem Feldchampignon verwechselt haben.”

Ja, ja, er wisse doch den Unterschied und er es gebe ein ganz sicheres Merkmal, das sei die Farbe der Lamellen und er kontrolliere immer zuerst die Farbe der Lamellen. Davon habe ich allerdings noch nie gehört. Das entscheidende Merkmal ist die Scheide um den Fuss herum. Die hat der Knollenblätterpilz und nicht der Champignon. Eh klar, auch das kontrolliere er.

Ob mein Vater das wirklich zuverlässig kontrolliert weiss ich nicht. Er hat sehr gewissenhafte und präzise Gewohnheiten und eine gute Beobachtungsgabe. Darum traue ich ihm das zu. Nur kommt es beim Pilzbestimmen eben auf die Details an.

Wie ein störrischer sechsjähriger beharrt er also auf seinem Projekt und wird weiterhin “Feldchampignons” verzehren. Egal was ich ihm sage. Es tönt lustig, mir zuzuhören und perlt ab wie Wasser an einer Pellerine. Der Unterschied ist, dass ein sechsjähriger sich kurz oder lang einem anderen Thema zuwendet und dann ist die eine absolut wichtige und ewiginteressate Idee vergessen. Mein Vater hingegen kommt alle drei oder vier Jahre nachhause und erzählt mir, wie er von dem oder dem Pilz gekotzt habe. Und bei alledem findet er das alles noch wunderbar naturverbunden und sein Gesicht strahl von Abenteuerlust!

Was also könnte meinen Vater von solchem Blödsinn abhalten? Ermahnungen sind zwecklos, genauso wie bei dem Lausbuben. Einen Buben, der ständig neue Ideen hat kann man in seiner Bewegungsfreiheit einschränken und ihn dazubringen, ein wenig zu Boden zu kommen. So etwas kann ich natürlich bei Erwachsenen nicht in Erwägung ziehen. Also bleiben die Methoden Lebenserfahrung und Kosten.

Lebenserfahrung: Ich kann einfach das Wissen anbieten. Ich muss mir bei meinen Angaben sicher sein. In der Situation kommt es darauf an es fehlerfrei, zutreffend und überschaubar die Angelegenheit zu beschrieben. Es stimmt, dass ich es fast immer besser weiss. Das kommt aber nicht von Besserwissertum, sondern von präzisen und zuverlässig recherchierten Informationen und davon, dass ich den Mund halte, wenn ich nicht sicher bin.
Danach muss es einfach einmal wirklich passieren und ganz übel herauskommen. Erst so wird mein Vater wird sein Erlebnis in den Zusammenhang des Wissens einordnen und die Information akzeptieren. Selbstverständlich wird er nicht sagen: .”Ja, max, Du hast recht gehabt!” Sondern er wird strahlend vor Stolz berichten: “Max, weisst Du was ich herausgefunden habe?”

Kosten: Das wäre die beste Kur für meinen Vater. Wenn er einmal so übel sich die Därme aus dem Leib kotzen würde, dass der Zeltplatz die Ambulanz ruft und mein Vater wäre ein paar Tage in einem dreckigen, desorganisierten französischen Spital und bekäme hinterher eine Rechnung als Privatpatient, wenn irgendmöglich so in der Höhe von 10’000 oder 15’000 Franken. Mit so einem Budget kauft er nämlich normalerweise ein Dutzend hahndgeschmiedete Messer, mit Mammutgriffen, mit ziselierten Klingen, mit trickreichen Mechaniken. Das täte ihm genug weh, dass er nicht mehr solche “Feldchampignons” anrühren täte.

Und noch so nebenbei zu meiner Beruhigung:Bei den Mengen, die man in ein normales Pilzgericht hineintut, sind die ganz allermeisten Giftpilze nicht tödlich.
Im Pilzkurs an der Uni mit Beatrice Senn-Irlet bekamen wir die Angaben. Zwar können etliche Pilzarten übel giftig sein. Aber bei den allermeisten kotzt man einfach ein paar Stunden oder auch ein paar Tage lang. Es geht vielleicht leicht vorbei oder man hat übelstes Bauchgrimmen und leidet wie die Sau. In der Schweiz gibt es nur zwei oder drei Arten, die einen Menschen schon in kleinen Mengen töten. Dazu gehört der grüne Knollenblätterpilz.

Der Tod vom grünen Knollenblätterpilz, der hat es in sich. Der Pilz ist vom Geschmack her unauffällig, noch so angenehm. Wenige Stunden nach dem Pilzessen, typischerweise also in den ersten Stunden nach Mitternacht, kommt das schreckliche Bauchgrimmen. Unbehandelt dauert der Todeskampf eine Woche bis zu 10 Tage. Die Leber wird von Pilzgift langsam aufgelöst, zu einer dünnflüssigen, schleimigen Sauce zersetzt. Der Patient stirbt unter tagelangen, nicht zu lindernden Höllenqualen.

Eine erfolgversprechende Behandlung ist heutzutage möglich, wenn der Pilz innerhalb von ganz wenigen Stunden richtig bestimmt wird. Sie dauert um die zwei Wochen und kostet weit jenseits von 100’000 Franken. Jedenfalls möchte ich nicht nach Frankreich zu einem unter Qualen sterbenden Vater gerufen werden. Lieber bringe ich ihm rechtzeitig bei, dass er diesen Blödsinn mit seinen sogenannten “Feldchampignons” bleiben lässt.

Das ist für heute meine Frage an meine Leser:
Trauen Sie sich und sagen falls nötig den Eltern oder Grosseltern gehörig die Meinung, wenn die einen riesigen Blödsinn anstellen?